Allgemeine Informationen

Seit 1992 gibt es das Betreuungsgesetz. In ihm wird die gesetzliche Vertretung Volljähriger geregelt. Dieses Gesetz löste das alte Vormundschafts- und Pflegschaftsrecht ab und somit auch die Entmündigung. 1999 sowie 2005 wurde das Betreuungsgesetz in einigen Teilen reformiert. Eine weitere Reform mit Änderungen vor allem im Verfahrensrecht aber auch hinsichtlich der Ausgestaltung der gesundheitlichen Versorgung betreuter Menschen trat 2009 in Kraft.

Die Rechtsposition der Betroffenen hat sich erheblich verbessert. Ihnen wird die Möglichkeit eingeräumt, ihr Leben weitgehend selbstbestimmt zu gestalten. Vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen erkannt und gestärkt werden. Eingriffe sollen nur in den Bereichen stattfinden, die der Betroffene selbst nicht mehr regeln kann. Die Anordnung einer Betreuung hat keine Auswirkungen auf die Geschäftsfähigkeit. Wichtige Entscheidungen werden zwischen der betreuten Person und dem/der BetreuerIn besprochen und sind dann, sofern machbar, nach den Wünschen der betreuten Person zu treffen (§ 1901 BGB).

Betreut werden volljährige Personen, die ihre persönlichen Angelegenheiten wegen seelischer, geistiger oder körperlicher Behinderung oder psychischer Erkrankung ganz oder teilweise nicht oder nicht mehr alleine regeln können. Bei körperlich Behinderten wird eine Betreuung nur auf Antrag des Betroffenen errichtet. Weiterhin muß gewährleistet sein, daß die zu regelnden Angelegenheiten nicht anderweitig (z.B. durch eine Vorsorgevollmacht oder auch durch sonstige Hilfen) besorgt werden können (§ 1896 BGB).

 

 

Ehrenamtliche Betreuung

Die ehrenamtliche Übernahme und Führung einer Betreuung sollte nach dem Willen des Gesetzgebers eigentlich der Regelfall sein (§ 1897 Abs. 5 BGB). In den meisten Fällen, bei denen nahe Angehörige, meist Eltern oder Elternteile, betreut werden müssen, stehen dann auch nach wie vor Familienmitglieder für eine ehrenamtliche Übernahme bereit (ca. 70 % der Fälle). Häufig stehen aber, v.a. bei jüngeren Personen mit zahlreichen Problemstellungen und Mehrfachbehinderungen, keine Angehörigen zur Betreuungsübernahme zur Verfügung. Oft wird „Betreuungslaien“ bei schwierigen Fällen aufgrund der Vielzahl und der Komplexität der zu bearbeitenden Probleme eine Übernahme nicht zugemutet. Manchmal wäre aber auch aufgrund innerfamiliärer Spannungen und Streitigkeiten eine Betreuungsführung durch die involvierten Familienmitglieder nicht zielführend. Manchmal stehen dann familienfremde ehrenamtliche Betreuer zur Verfügung. Immer häufiger bleibt jedoch auch keine Alternative zu einer professionellen Führung der Betreuung durch Berufsbetreuer Es trifft im übrigen nicht zu, dass Berufsbetreuer häufig von den Gerichten ohne Kenntnis der Beteiligten bestellt werden, und somit in Betracht kommende Angehörige völlig übergangen werden. Dies mag sicherlich schon vorgekommen sein, jedoch handelt es sich dann i.d.R. um begründete Ausnahmefälle aufgrund der oben erwähnten Umstände, oder das Gericht mußte schnell handeln und hatte schlicht keine Kenntnis von möglichen Alternativen. Es besteht dann aber immer noch die Möglichkeit dies zu „reparieren“. Ist die betreute Person selbst noch in der Lage, irgendwelche Wünsche zu äußern, so ist diesem Willen sowieso schon von Gesetzes wegen absoluter Vorrang einzuräumen (§ 1897 Abs. 4 BGB).



Berufsbetreuer

Wenn die notwendigen Handlungserfordernisse einer Betreuung zu schwierig oder zu umfassend für eine ehrenamtliche Führung sind (oder wenn sich schlicht kein geeigneter ehrenamtlicher Betreuer findet), so werden häufig Berufsbetreuer bestellt. Berufsbetreuer sind häufig Sozialpädagogen, Pädagogen aber auch Rechtsanwälte oder sonstige qualifizierte Fachleute, die aufgrund ihrer Ausbildung (meist Hochschulabschluß) entsprechende Kenntisse zur Führung schwieriger Betreuungen erworben haben. Es gibt selbstständige Berufsbetreuer, die teilweise von Bürohilfskräften unterstützt werden, aber auch Berufsbetreuer, die sich zu einem Betreuungsverein zusammengeschlossen haben (sog. Vereinsbetreuer). Dennoch sind auch Vereinsbetreuer persönlich für ihre jeweiligen zu betreuenden Klienten bestellt. Es gibt also direkte und persönliche Zuständigkeiten. Die Struktur innerhalb eines Betreuungsvereins ermöglich zudem einige Vorteile, wie z.B. geregelte Urlaubsvertretungen, Zugriff auf umfassende Fachliteratur, Einsatzmöglichkeiten von Zivildienstleistenden sowie natürlich teaminternen Erfahrungsaustausch, Fallbesprechungen, Supervision. Meist sind Betreuungsvereine auch in verschiedensten kommunalen und überregionalen Gruppen, Arbeitskreisen, Verbänden vertreten und nehmen somit aktiv Einfluss auf sozialpolitische Entscheidungen (siehe auch „Informationen zum Betreuungsverein“. Wird eine Betreuung berufsmäßig geführt, so fallen hierfür neben den auch bei ehrenamtlichen Betreuungen üblichen jährlichen Gerichtsgebühren auch Vergütungszahlungen an den Betreuer an. Sofern bestimmte Einkommens- und Vermögensgrenzen unterschritten werden, werden diese Kosten aber von staatlicher Seite gezahlt (genauer gesagt von der Landesjustizkasse). Über nähere Einzelheiten informieren wir Sie gerne.


"Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert".